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Wenn ich früher schon mehr über Konflikte gewusst hätte, wäre mir viel Kummer erspart geblieben

Geahnt habe ich es damals schon, dass Geschwister eine wichtige Rolle spielen.

Ich komme aus einer Handwerksfamilie (Eltern und Großeltern) und gehe daher Dinge eher pragmatisch an. Auch die schwäbische Gründlichkeit beeinflusst mich noch heute. Schon als habe ich Kind die verschiedenen Konflikte unter den erwachsenen Geschwistern (meine Onkels und Tanten) hautnah miterlebt.

Als ich zehn war, kam mein Bruder auf die Welt. Er sagt noch heute hat er mir einiges zu verdanken. Da wir auf dem Dorf gewohnt haben, hat er von mir hochdeutsch gelernt. Als ich dann in die Stadt zur Ausbildung ging hatte er großes Heimweh nach seiner großen Schwester und hat mir oft ganz süße Briefe geschrieben, die ich immer noch aufbewahre. Als mein Bruder letztes Jahr in seine neue Wohnung gezogen ist und auf seine Küche gewartet hat, erinnerte er sich an die Haferflocken mit Banane, die ich ihm als Kind öfters gemacht habe.

In der Schule habe ich gerne Situationen, aus einer neutralen Haltung heraus, von allen Seiten betrachtet. „Pro und contra“ als Erörterung habe ich geliebt. Als junge Erwachsene habe ich manchmal in einem Gespräch ausführlich die Gegenseite dargestellt, obwohl ich die gleiche Ansicht wie mein Gegenüber hatte. Damit habe ich öfter mal jemand verblüfft. Für mich war das einfach nur ein Perspektivenwechsel. Ohne Konflikt ist es viel leichter sich in andere reinzuversetzen.

Neugierig auf die unterschiedlichsten Menschen war mir als Friseurin oft die Kommunikation wichtiger als das Haare schneiden. Den Austausch über die verschiedensten Lebenslagen fand ich sehr interessant. Mit meinen Kunden und Kundinnen über alles reden können, fand ich sehr spannend.

Ich bin eine treue Seele und ein Familienmensch. So hat mir meine kleine Familie viel bedeutet. Sie bestand aus meinem damaligen Mann und unserem Sohn Julian. Später kam noch unser Hund Jerry dazu. Leider ist meine erste Ehe nach neunzehn Jahren gescheitert. Vielleicht wäre das nicht passiert, wenn ich damals schon Mediatorin gewesen wäre. Wer weiß.

Als Initiatorin bei einer Schulgründungsinitiative konnte ich meine Fähigkeiten als Netzwerkerin voll ausleben. Ich brachte die unterschiedlichsten Menschen zusammen und schaffte neue Kontakte und Verbindungen.

Ich sehe mich als Brückenbauerin, die zwischen gegensätzlichen Positionen Kontakt herstellt. Die gegenseitiges Zuhören und Beziehung wieder möglich macht. Ich helfe die Gründe des anderen zu verstehen. Eins meiner Anliegen ist möglichst viel dazu beizutragen Gerechtigkeit und Frieden in Familien zu bringen. Verstehen heißt nicht automatisch einverstanden sein. Schon mit dieser Erkenntnis fällt es oft leichter den anderen überhaupt verstehen zu wollen.

Es geht, z.B. beim Erben gar nicht immer um Geld, oft ist „gesehen werden“ also Wertschätzung noch wichtiger. Nicht selten kommt es vor, dass das Vermögen bei Gericht durch die Prozesskosten vernichtet wird, weil sich jemand ungerecht behandelt fühlt. Das bekommen mein Bruder und ich hoffentlich besser hin ;-).

Oder ich erinnere mich an die Schwester die sich gestritten haben, wer nun die Mama pflegen darf. Jeder wollte sich kümmern und für sie sorgen. Was steckt da dahinter? Spannend das herauszufinden. Leider wollte in diesem Fall eine der Schwestern keine Mediation.

Als ich meinen, jetzt zweiten, Mann Tom kennenlernte war er am Anfang oft genervt und sagte. “Du mit Deinen vielen Möglichkeiten“. Ich bin es gewohnt in Lösungen zu denken (auch wenn ich Lösungen in der Mediation nicht vorgebe, hilft es lösungsorientiert zu arbeiten). „Es gibt immer mindestens drei Möglichkeiten“ ist eine Aussage die mich schon vor vielen Jahren in meiner Coachingausbildung geprägt hat. Mittlerweile schätzt mein Mann dieses kreative, offene Denken sehr und überrascht mich manchmal mit völlig neuen Ideen.

Und es gab durch meinen Mann (er hat 4 Geschwister) noch mehr Geschwisterkonstellationen die ich kennenlernen durfte ;-). Sehr spannend und phasenweise haben die Beziehungen sehr viel Kraft gekostet. Zum Glück konnte ich in Gesprächen immer wieder vermitteln.

Ich habe nach mehreren beruflichen Stationen Friseurmeisterin, medizinische Marktforschung, Coach und vielen Erfahrungen meinen idealen Beruf gefunden. Offen und wertschätzend begegne ich den Menschen. Gerne gehe ich Dingen auf den Grund, frage immer wieder nach um an den Kern zu kommen. Egal, ob jemand selbst schnell auf den Punkt kommt oder Zeit braucht zu verstehen, ich kann mich sehr leicht auf die jeweiligen individuellen Bedürfnisse einstellen. Wichtig ist der Veränderungswille und vor allem das Interesse das Bestmögliche aus einer Situation zu machen.

Den Weltfrieden werde ich wohl nicht herstellen können, aber wenn ich ein bisschen mehr offene Kommunikation, respektvollen Umgang, Verständnis für die anderen und Vertrauen in die Familien bringen kann und zerstrittene Geschwistern, die ja „aus einem Nest“ sind, wieder zueinander finden, dann habe ich sehr gerne dazu beigetragen.

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